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Menschen stark machen mit Wissenschaft

15. Juni 2026 durch
Menschen stark machen mit Wissenschaft

Im Gespräch mit Xenia Gerresheim in der Coaching-Scheune bin ich gefragt worden, wofür ich morgens aufstehe. Die Antwort führt mitten in das, was die Scientific-Trainer-Ausbildung ausmacht: Ich möchte Menschen Denkräume eröffnen, eine Art Ruhe in der Mitte des Sturmes, in der sie wieder zu sich kommen und klären können, wohin sie eigentlich wollen. Wer andere durch herausfordernde Zeiten begleitet, Trainerinnen, Coaches, Beraterinnen, braucht diese Ruhe selbst zuerst.

Drei Ebenen, die zusammengehören

Wissenschaftlich fundiert zu arbeiten heißt nicht, sich auf eine Disziplin einzuschießen. Wer Menschen wirklich verstehen will, muss drei Ebenen zugleich im Blick behalten: die biologische, auf der Stresshormone und Botenstoffe ihre Wirkung entfalten, die psychologische, auf der sich Wahrnehmen und Bewerten abspielen, und die soziale, auf der Kommunikation im System gelingt oder scheitert. Diese drei Ebenen werden in der Grundausbildung nicht nur einzeln betrachtet, sondern miteinander verknüpft. Denn wirksam werden wir erst in der Vernetzung: Der beste neurowissenschaftliche Einfall nützt nichts, wenn die Organisation ihn nicht will und niemand in ihr ihn versteht. Anschlussfähigkeit ist die Bedingung von Wirkung.

Befähigung zum Selber-Laufen statt fertiger Weisheiten

Schon in der Grundausbildung gehen wir in die Tiefe, bis zu den Primärquellen. Mein Anspruch ist, dass die Teilnehmenden anschließend selbst in die Datenbanken steigen und die Schätze heben können, die dort täglich entstehen. Es geht nicht um zehn servierfertige Weisheiten aus der Suppenküche der Neurowissenschaften, sondern um die Fähigkeit, selbst zu recherchieren, zu prüfen und zu entscheiden. Damit das nicht im Kopf stecken bleibt, arbeiten wir betont körperlich: Wir kneten Hirnstrukturen aus Modelliermasse und nehmen mit VR-Brillen ein maßstabsgerechtes Gehirn auseinander. Wer die Amygdala einmal mit den eigenen Händen geformt hat, vergisst nie wieder, wo sie sitzt und mit wem sie verschaltet ist. Auf die Grundausbildung folgen Transfer-Stufen in Richtung Leadership, Coaching, Training und Change, und für die besonders Interessierten eine Oberstufe, in der über ein bis drei Jahre in einer Community aus Wissenschaft und Wirtschaft etwas Eigenes heranreift.

Für wen das gedacht ist

Diese Ausbildung ist für alle, die sich beruflich mit menschlichem Lernen und menschlicher Entwicklung befassen: für freiberufliche Trainerinnen, Coaches und Beraterinnen ebenso wie für Angestellte, die in Unternehmen Personal-, Organisations- oder Change-Prozesse verantworten. Das eigentliche Kriterium ist ein anderes als die Berufsbezeichnung: Sie trägt dort Früchte, wo Menschen eigene Konzepte bauen. Wer dagegen sein Handwerk an der Flipchart verfeinern will, ist mit einem guten Methodenkurs besser bedient, dafür wäre der ganze wissenschaftliche Hintergrund überdimensioniert. Sobald es jedoch darum geht, auf die großen Bewegungen zu reagieren, auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, auf die Frage, was Future Learning konkret bedeutet, liefert die Wissenschaft das Futter, aus dem sich neue, unverwechselbare Angebote formen lassen.

Die eigentliche Frucht: innere Souveränität

Die Öffentlichkeitswirkung, mit Primärquellen lässt sich mühelos eine tägliche fachliche Präsenz bestreiten, ist nur die sichtbare Seite. Die wichtigere spielt sich im Inneren ab. Ich erlebe immer wieder, dass Menschen freier werden im Angesicht ihrer Auftraggeber. Sie können begründen, warum ein Konzept trägt, und sie können ebenso begründet sagen: Das mache ich nicht, weil es aus diesen und jenen Gründen keinen Sinn ergibt. Diese innere Autonomie ist in einem Dienstleistungsmarkt kostbar, der dazu neigt, alles vergleichbar zu machen, als ginge es um die Frage, ob der Joghurt bei dem einen Discounter zwei Cent billiger ist als beim anderen. Wo Beratung in diese Vergleichbarkeit rutscht, kann sie ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr erfüllen: Intelligenz in Organisationen zu tragen, als eine Art wandelnder Think Tank, der gut vernetzt ist und das Neue hereinbringt, auch wenn es dem herrschenden Muster widerspricht. Diese Stärke wirkt anziehend. Das ewige „wasch mich, aber mach mich nicht nass” haben viele satt, weil sie spüren, dass darin Lebenszeit vertan wird.

Heraus aus der Monokultur

Damit das gelingt, ist die Ausbildung bewusst transdisziplinär angelegt. Eine reine Neuro-Monokultur wäre so unterkomplex wie der gewohnte Dreiklang aus Systemtheorie, Konstruktivismus und humanistischer Psychologie, in dem sich die Branche oft bewegt. Deshalb hole ich Kolleginnen und Kollegen aus ganz unterschiedlichen Welten dazu, aus Wirtschaft und Wissenschaft, die genau die Probleme kennen, vor denen unsere Auftraggeber stehen. Wer das alles im Zusammenspiel erlebt, beginnt, sein eigenes Kerngeschäft mit anderen Augen zu sehen und es Schritt für Schritt zu etwas Innovativem weiterzuentwickeln. Das ganze Gespräch mit Xenia Gerresheim können Sie im Video oben ansehen.

Lust auf Leben und Lernen